26.08.08
G'Day! Also Du interessierst Dich für Australien und dafür, hier ein neues Leben zu beginnen. Das ist spannend, aber oft fühlt man sich auch nicht genug vorbereitet. Dem will ich ein bisschen abhelfen. Es ist weniger ein Tagebuch, als Erfahrungen, die helfen sollen, den Start leichter zu machen. Ich bin vor mehr als 3 Monaten, im Mai 2008, von Hamburg nach Sydney ausgewandert. Ich hatte für die ganze Sache nur etwa 3 Monate Zeit, es zu organisieren; das war wirklich knapp. Glücklicherweise konnte ich innerhalb meiner Firma wechseln, was mir die Visaangelegenheiten enorm erleichtert hat. Wenn man nach Australien auswandern will, muss man sich ärztlich untersuchen lassen. Das ist 'ne Vorsichtsmaßnahme der australischen Regierung, die sich nicht mit Lahmen und Kranken aus dem Ausland belasten will. Als dann mein Container organisiert wurde, musste alles ganz genau aufgeführt werden; im Zweifelsfall packt der Zoll alles wieder aus. Mein Fahrrad wurde beispielsweise in Quarantäne gesteckt, weil noch Erdreste am Reifen waren! Es dauerte 1,5 Monate, bis ich meine Sachen wiedergesehen habe. Das Gefühl kann ich nicht beschreiben; es ist unglaublich, wieviel Heimat in ein paar Möbelstücken stecken kann, wenn man soweit weg ist von der Heimat! Es gingen einige Sachen zu Bruch, weshalb es wichtig ist, die Dinge für den Transport zu versichern. Die Wohnungssuche gestaltete sich frustrierend. Im Nachhinein habe ich von einigen Auswanderern erfahren, die alle ähnliche Erfahrungen machen mussten. Mieter sind hier eindeutig Menschen zweiter Klasse. Australien ist ein Land, in dem man kauft, nicht mietet. Dass man für Wohnungen enorme Mieten zahlen muss, spielt im Ansehen keine Rolle. Für das Geld, was man hier für eine schäbige Ein-Zimmer-Wohnung zahlt, könnte man in München Schwabing leben! Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein, dass hier ein anderer Standard ist als in Deutschland. Parkett z.B. ist selten, Teppich häufig. Es gibt KEINE Heizungen in den Wohnungen, die zudem noch schlecht isoliert sind. Wer glaubt, Australien ist ja immer warm, der täuscht sich: nachts kann es in Sydney auch mal 5 Grad haben. Drinnen bringt man es dann auf circa 12 Grad. Australier nehmen dann den Pulli und warten auf den Sommer. Das fand ich am schlimmsten. Man darf auch in der Regel NICHTS n die Wände machen, ohne schriftlich um Erlaubnis zu fragen. Nicht mal mit Posterstrips oder Klebehaken! Dass man Englisch können sollte, ist sicher sonnenklar. Australier haben einen ausgeprägten Slang, der es manchmal schwer macht, sie zu verstehen. Aber sie sind liebenswert und halten viel von Deutschen. Leider spricht man uns den Humor ab, was ich seit 3 Monaten versuche zu revolutionieren :-) Radfahren grenzt an Selbstmord in Sydney. Ich denke, andere Städte wie Melbourne oder Brisbane bieten mehr Möglichkeiten, aber Sydney hat keine Radwege in der Stadt. Da die Leute auch nicht damit rechnen, einem Radfahrer zu begegnen, fahren sie rücksichtslos. Man muss einfach sehr aufpassen und relaxen, wenn mal wieder ein Bus direkt hinter einem ist. Das klingt alles so schlimm, ist es aber gar nicht! Jetzt kommen die ganzen tollen Dinge: So, wer jetzt nicht die Koffer packt, ist selber Schuld :-) Bis demnächst. Dagi |